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Coenzym Q10-Mangel
Diagnostik über folgende genetische Analyse(n)/Panel möglich
Klinische Symptomatik
Ein Primärer Coenzym Q10 (CoQ10)-Mangel ist eine seltene, autosomal rezessive Erkrankung, die auf verschiedenen Proteindefekten der CoQ10-Synthese beruhen kann. Das klinische Erscheinungsbild eines CoQ10-Mangels ist in der Regel multisystemisch, traditionell wurden vier Hauptphänotypen beschrieben:
- eine Enzephalomyopathie mit Belastungsintoleranz, mitochondrialer Myopathie, Myoglobinurie, Epilepsie und Ataxie (Ogasahara et al., 1989; Sobreira et al., 1997),
- eine zerebelläre Ataxie (Lamperti et al., 2003)
- eine isolierte Myopathie (Horvath et al., 2006), sowie
- eine infantile multisystemische Form mit Enzephalomyopathie, hypertropher Kardiomyopathie, Ataxie, Optikusatrophie, sensorineuronaler Hörverlust und Nephrose (Rotig et al., 2000), bzw. ein Leigh-Syndrom mit Ataxie und Taubheit (Maldergem et al., 2002).
Mittlerweile weiß man, dass das klinische Spektrum bei primärem Coenzym Q10-Mangel noch breiter ist. Es wurde auch beschrieben:
- ein spät einsetzender, langsam progredienter, der Multisystematrophie ähnlicher Phänotyp (Neurodegeneration mit autonomer Beteiligung, variabel assoziiert mit Parkinsonismus und zerebellarer Ataxie sowie pyramidaler Dysfunktion)
- ein isoliertes Steroid-resistentes nephrotisches Syndrom (Emma et al., 2012). Generell ist das steroidresistente nephrotische Syndrom (SRNS) die charakteristische Nierenmanifestation; es ist häufig die Erstmanifestation, entweder als isolierte progrediente Nierenbeteiligung oder in Verbindung mit einer neurologischen Symptomatik (Krampfanfälle, schlaganfallartige Episoden).
- Soliert/kobiniert hypertrophe Kardiomyopathie (HCM), Retinopathie oder Optikusatrophie und ein sensorineuraler Hörverlust.
Ein Aufhalten der Krankheitsprogression durch eine hochdosierte medikamentöse CoQ10-Supplementation ist für viele Patienten beschrieben.
Weitere Information:
- PMID: 32933108
- https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK410087/
Genetik
Nach heutigem Wissensstand sind Veränderungen in verschiedenen Genen der Coenzym Q10-Biosynthese mit einem primären Coenzym Q10-Mangel assoziiert (PDSS1, PDSS2, COQ2, COQ4, COQ6, COQ7, ADCK3 (=COQ8A), ADCK4 (COQ8B) und COQ9).
Ein sekundärer Coenzym Q10-Mangel beruht auf Gendefekten, die keine direkte Rolle in der CoQ10-Biosynthese spielen, jedoch sekundär zu einem Coenzym Q10-Mangel führen, der teilweise (aber nicht immer!) in der Muskelbiopsie und/oder in Fibroblasten der Haut nachweisen lässt.
Pathogene Mutationen wurden im Gen APTX (Aprataxin) als Ursache der Ataxie und okulomotorischen Apraxie-Typ 1 (AOA1) oder im Gen ETFDH (Elektron-Transfer-Flavoprotein-Dehydrogenase) bei Patienten mit isolierter Myopathie und Multiplen Acyl-CoADehydrogenase-Defekt (MAD-Mangel) nachgewiesen. Diese Patienten zeigten ebenfalls eine klinische Besserung auf eine Therapie mit Coenzym Q10.
