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Spastische Paraparese
Diagnostik über folgende genetische Analyse(n)/Panel möglich
Klinische Symptomatik
Die Gruppe der hereditären spastischen Paraplegien (SPG) umfasst eine Reihe heterogener neurologischer Erkrankungen, die vor allem durch eine progrediente Spastik und Lähmung der Beine gekennzeichnet sind. Die autosomal-dominant vererbten Formen SPG Typ 3 und Typ 4 verlaufen klinisch sehr ähnlich, so dass sie häufig Differentialdiagnosen darstellen. Die Symptome beginnen meist bereits in der Kindheit und sind im weiteren Verlauf langsam progredient, nur sehr wenige Patienten werden rollstuhlpflichtig. Der klinische Verlauf ist jedoch auch bei Patienten mit der gleichen Form der SPG sehr variabel. Zusätzlich zu der spastischen Lähmung der Beine können bei diesen Formen ein gestörtes Vibrationsempfinden sowie bei der SPG3 eine Hyperaktivität der Blase und beim Typ 4 eine Sphinkterschwäche auftreten. Bei der SPG4 wird zudem diskutiert, ob eine milde geistige Beeinträchtigung, die bei wenigen Familien beschrieben ist, in Zusammenhang mit der Erkrankung steht.
Die autosomal-rezessiv vererbte SPG Typ 7 beginnt meist im Erwachsenenalter, in Einzelfällen ist jedoch auch ein Beginn im Kindesalter (im frühesten Fall ab dem 11. Lebensjahr) beschrieben. Kennzeichnend sind in erster Linie eine beidseitige Schwäche und Spastik der Beine verbunden mit einem verminderten Vibrationsempfinden. Die Erkrankung verläuft progredient, in einzelnen Fällen kann es auch zu einem sehr raschen Fortschreiten der Symptomatik kommen. Der klinische Verlauf ist jedoch sehr variabel. Bei einigen Patienten findet sich zusätzlich zu der spastischen Lähmung der Beine eine Abblassung der Sehnervenpapille. Zudem können weitere Symptome wie eine Ataxie, eine Hyperreflexie der Arme, Blasenstörungen, Schluck- und Sprachstörungen, Hörstörungen, Augenbewegungsstörungen, eine Skoliose sowie eine axonale motorische und sensorische Neuropathie auftreten.
Genetik
Die SPG Typ 4 wird durch Mutationen im Gen SPAST auf Chromosom 2 (2p22.3) verursacht. Dieses Gen kodiert für die ATPase Spastin, die unter anderem für die Funktion der Mikrutubuli benötigt wird. Mutationen im Gen SPAST finden sich bei etwa 40 % der Patienten mit einer autosomal-dominanten SPG.
Ursächlich für die deutlich seltenere SPG Typ 3 sind Mutationen im Gen ATL1, welches auf dem langen Arm von Chromosom 14 (14q22.1) liegt. Dieses Gen kodiert für das Protein Atlastin-1, welches an der Bildung des endoplasmatischen Retikulums und der Verlängerung der neuronalen Axone beteiligt ist.
Die Penetranz der Erkrankung ist bei beiden Formen hoch (ca. 80-90 %), so dass die meisten Mutationsträger symptomatisch werden. Der Phänotyp ist dabei jedoch sehr variabel.
Ursächlich für die SPG Typ 7 sind Mutationen im Gen SPG7 auf Chromosom 16 (16q24.3), welches für die mitochondriale ATPase Paraplegin kodiert. Meistens finden sich bei den Patienten Missense-Mutationen, seltener auch trunkierende Mutationen, in der funktionellen Domäne des Paraplegin.
Die SPG Typ 7 folgt dem autosomal-rezessiven Erbgang, so dass die Patienten häufig Einzelfälle in der Familie sind. Unter sporadischen Fällen ist sie, neben der SPG4, die häufigste Form der SPG.
